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So funktioniert die elektronische Patientenakte

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Elektronische Patientenakte
In der elektronischen Patientenakte können Informationen rund um den Gesundheitszustand einer Person abgelegt werden.

Seit dem 1. Januar 2021 müssen die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte anbieten. Wie funktioniert diese?

Was ist die elektronische Patientenakte (ePA)?

Die elektronische Patientenakte (ePA) ist ein digitaler Ordner mit verschiede­nen Ablagefächern. Alle ePAs haben die gleichen Grundfunktionen, zum Beispiel die Möglichkeit, Dokumente zu verwalten. Diese Funktionalitäten sind gesetzlich vorgeschrieben. Im elektronischen Patientenfach können Sie als Versicherter eigene Aufzeich­nungen ablegen, etwa Notizen über einen Arztbesuch. Ab 2022 wird es auch ein Fach geben, in dem die Kran­kenkassen Informationen für ihre Ver­sicherten hinterlegen können.

Wer bietet die elektronische Patientenakte an?

Aktuell sind die gesetzlichen Kranken­kassen Anbieter der elektronischen Patientenakte (ePA). Für Versi­cherte ist die Nutzung freiwillig und kostenlos. Die privaten Krankenversi­cherungen werden ihren Versicherten voraussichtlich zum 1. Januar 2022 eine ePA anbieten.

Wann startet die elektronische Patientenakte?

Die bundesweite Einführung der ePA erfolgt in drei Phasen. Offiziell ist die ePA zum 1. Januar 2021 gestartet – allerdings nur zu Testzwecken in aus­gewählten Praxen in Westfalen-Lippe und Berlin. Zwischen März und Mai 2021 werden alle 200.000 niederge­lassenen Ärzte und Zahnärzte sowie Apotheken und Krankenhäuser mit der ePA verbunden. Bis zum 1. Juli müssen alle Vertragsärzte der Kran­kenkassen in der Lage sein, die ePA zu nutzen und zu befüllen. Sie sind auch gesetzlich verpflichtet, ihre Pa­tienten beim Befüllen der Akte zu un­terstützen. Für Krankenhäuser endet die Frist zur Anbindung am 31. De­zember 2021. Für andere Leistungs­anbieter – wie Physiotherapeuten, Pflegeeinrichtungen, Vorsorge- und Rehaeinrichtungen – ist die Anbin­dung freiwillig.

Wie erhalte ich Zugang zur elektronische Patientenakte, wenn ich kein Smart­phone oder Tablet nutze?

Wenden Sie sich an Ihre Krankenkas­se. Sie erhalten dort eine Teilnahme-und Datenschutzerklärung, die Sie un­terschreiben und an die Krankenkasse schicken. Anschließend richtet die Krankenkasse die ePA für Sie ein. Bei Ihrem nächsten Arztbesuch können Sie sich über das Kartenterminal der Praxis in Ihrer ePA anmelden. Dafür benötigen Sie eine PIN und Ihre elekt­ronische Gesundheitskarte. Die PIN erhalten Sie von der Krankenkasse. Die Möglichkeit, Ihre ePA von zu Hause aus zu verwalten, haben Sie ohne Ta­blet oder Smartphone nicht.

Was kann ich in meiner elektronische Patientenakte ablegen lassen?

Sie können Ihren Arzt, das Kranken­haus oder Ihre Apotheke bitten, Kopien der für Sie relevanten Unterlagen in Ihre ePA zu übertragen. Das können beispielsweise Arztbriefe, Befunde, Behandlungsberichte und Therapien, Blut- und Laborwerte oder Röntgen­bilder sein. Zusätzlich können Sie den Notfalldatensatz, Patientenverfügun­gen oder Organspendeausweise dort ablegen oder einen digitalen Medika­tionsplan nutzen.

Daneben gibt es einen Bereich, in denen Ihnen Ihre Krankenkasse kas­senindividuell Informationen zur Ver­fügung stellen kann – beispielsweise Quittungen über abgerechnete Leis­tungen oder Erinnerungen für Vorsor­geuntersuchungen und Impfungen.

Ab 2022 können Sie zusätzlich die folgenden digitalen Dokumente nut­zen und in Ihrer ePA verwalten:

  • Bonusheft des Zahnarzts,
  • Impfpass,
  • elektronische Verordnungen, zum Beispiel für Heilmittel,
  • Untersuchungsheft für Kinder,
  • Mutterpass,
  • Daten der Krankenkasse über in An­spruch genommene Leistungen.

Wenn Sie es wünschen, wird die ePA zum 1. Januar 2023 erweitert um:

  • Daten zur pflegerischen Versorgung,
  • elektronische Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

Zusätzlich können Versicherte dann In­halte aus ihrer ePA freiwillig zu wissen­schaftlichen Zwecken zur Verfügung stellen. Das nennt man Datenspende.

Kann ich einzelne Doku­mente oder die elektronische Patientenakte (ePA) insge­samt wieder löschen?

Ja, jederzeit. Das können Sie entweder selbst tun oder Ihren behandelnden Arzt bitten, es für Sie zu erledigen. Wol­len Sie Ihre ePA komplett löschen, kon­taktieren Sie am besten Ihre Kranken­kasse. Sie wird Sie über die notwendigen Schritte informieren. Wenn Sie Ihre ePA löschen, gehen auch alle Inhalte verloren. Dokumente, die Sie behalten möchten, müssen Sie vorher an einem anderen Ort speichern.

Habe ich Nachteile, wenn ich die elektronische Patientenakte (ePA) nicht nutze?

Nein. Ihre Krankenkasse ist gesetzlich verpflichtet, Ihnen eine elektronische Patientenakte anzubieten. Die Nut­zung bleibt für Sie freiwillig.

Wer hat die Hoheit über die Daten in meiner elektronische Patientenakte (ePA)?

Grundsätzlich gilt: Sie bestimmen über Ihre Daten. Die Krankenkassen betrei­ben die digitalen Aktenordner zwar, haben selbst aber keinen Zugriff auf die Inhalte. Damit Ihr Arzt, Apotheker oder andere Therapeuten Ihrer ePA Doku­mente oder Daten hinzufügen können oder auf diese zugreifen dürfen, müs­sen Sie eine Zugriffsberechtigung ertei­len. Dies können Sie entweder über Ihre App erledigen, vor Ort am Karten­terminal oder im Krankenhaus. Alle Zu­griffe werden in Ihrer ePA protokolliert.

Selbst mit einer Berechtigung darf beispielweise ein Arzt nur dann auf bestimmte Daten zugreifen, wenn er in Ihre Behandlung eingebunden ist und die Daten für Ihre Behandlung er­forderlich sind. Für andere Leistungs­erbringer, zum Beispiel für Apotheken, hat der Gesetzgeber Zugangsbe­schränkungen festgelegt.

Für 2021 gilt: Versicherte können nur festlegen, welcher Arzt auf die ePA zugreifen kann. Eine Einschränkung auf bestimmte Dokumente ist nicht möglich. Ab 2022 können Sie einzel­nen Dokumenten unterschiedliche Vertraulichkeitsstufen zuweisen. Sie können Dokumentenkategorien bil­den, beispielsweise nach den Fachbe­reichen Ihrer Ärzte, und festlegen, wer auf welches Dokument zugreifen darf. Diese Möglichkeit besteht allerdings nur, wenn Sie die App nutzen.

Wie lange Sie den Zugriff erlauben wollen, bestimmen Sie ebenfalls selbst. Voreingestellt sind sieben Tage. Diesen Zeitraum können Sie wahlwei­se bis auf einen Tag verkürzen oder auf bis zu 540 Tage verlängern.

Sind meine Daten sicher?

Eine absolute Sicherheit gibt es nicht. Alle Apps durchlaufen Zulassungsver­fahren im Hinblick auf Funktionalität, Betrieb, Sicherheit und Datenschutz. Die technischen Anforderungen wur­den von der gematik, dem Unterneh­men, das auch für die Sicherheit der elektronischen Gesundheitskarte zu­ständig ist, und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik festgelegt. Die Inhalte der ePA liegen verschlüsselt auf Servern außerhalb der Praxen. Diese Server stehen in Deutschland. Ärzte und andere Leis­tungserbringer laden ihre Daten über einen abgesicherten Datentunnel hoch und können nur mit einem Frei­schaltcode auf Ihre ePA zugreifen.

Dennoch: In der jüngeren Vergan­genheit gab es immer wieder erfolg­reiche Hackerangriffe auf bereits auf dem Markt befindliche Apps.

Wer hilft bei Fragen rund um die elektronische Patientenakte (ePA)?

Ihre Krankenkasse.

Welche Vorteile hat die elektronische Patientenakte (ePA) für Patienten?

Die Rolle als Patient im Behandlungs­geschehen wird gestärkt. Bisher war der Blick in die eigene Krankenakte keine Selbstverständlichkeit. Das än­dert sich nun mit der ePA. Patienten können Arzttermine besser vor- und nachbereiten und entsprechende Rückfragen stellen. Sie können Termi­ne oder Vorgänge mit eigenen Doku­menten unterfüttern, beispielsweise durch ein Tagebuch, eigenen Blut­druckmessungen und vielem mehr.

Sind mehrere Ärzte in eine Be­handlung involviert, können sich diese schnell auf den aktuellen Stand brin­gen. Die digitale Dokumentation des Behandlungsgeschehens kann Doppel- untersuchungen vermeiden. Informa­tionen zu Allergien, Unverträglichkei­ten oder Vorerkrankungen erhöhen die Patientensicherheit. Patientenver­fügungen, Organspendeausweise und andere Vollmachten sind in Notfallsi­tuationen schneller zur Hand.

Derzeit wird überlegt, ob und wie eine Verlinkung zu Angeboten von Selbsthilfeorganisationen möglich ist. Damit würden beispielsweise neu dia­gnostizierte Rheumatiker schneller auf die Rheuma-Liga und ihr Hilfean­gebot aufmerksam.

Gibt es auch Nachteile?

Nachteilig ist der erschwerte Zugang für Menschen, die kein Smartphone oder Tablet nutzen. Sie können nur beim Arzt oder ihrer Krankenkasse ihre ePA verwalten oder müssen eine dritte Person dazu ermächtigen.

Unbefriedigend ist die Tatsache, dass Versicherte erst ab dem Jahr 2022 feinmaschige Zugriffsberechti­gungen zu ihrer ePA erteilen können – und dann auch nur, wenn sie die App nutzen. In puncto Datenschutz und Datensicherheit bleibt zu hoffen, dass die getroffenen Maßnahmen ausrei­chen – oder dass im Bedarfsfall schnell nachgebessert werden kann.

Autorin: Sabine Eis ist Referentin für Gesundheits- und Sozialpolitik, Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband.

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